Sexuelle Gewalt


Sexualität ist etwas Schönes. Sie bereichert die zwischenmenschlichen Kontakte und das Leben überhaupt. Aber: Sexualität ist nur schön, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind. Leider kommt es häufig zu sexuellen Handlungen, die nicht im Einverständnis aller Beteiligten geschehen. Man spricht von sexueller Gewalt (auch: sexuelle Ausbeutung oder sexueller Missbrauch). Die Menschen, die andere zum Sex zwingen, sind meist heterosexuelle Männer, seltener Frauen. Man nennt sie auch Täter. Sie nützen dabei ihre Kraft oder ihre Machtposition aus und wenden mehr oder weniger deutlich Gewalt an. Die Opfer sind meist Frauen oder Kinder. Die Motivation für sexuelle Gewalt ist eine Demonstration von Macht und Überlegenheit und hat wenig mit Sexualität zu tun.

Dein Körper gehört dir. Du allein hast das Recht zu entscheiden, wie, wann und von wem du berührt werden möchtest. Niemand - kein Onkel, keine Tante, kein Nachbar und keine Familienfreundin - hat das Recht, dich so zu berühren, dass es dir unangenehm ist.

Achte auf deine Gefühle, du kannst dich auf sie verlassen. Meist fühlst du sehr gut, ob dir wohl ist in einer Situation oder nicht. Es gibt schöne Gefühle, die dich froh machen. Es gibt aber auch unangenehme und seltsame Gefühle, die dich verunsichern und dir Angst machen oder sogar weh tun. Solche Gefühle zeigen dir, dass etwas nicht stimmt. Du solltest lernen, auf sie zu hören. Sie allein können dir mitteilen, ob etwas für dich gut ist oder nicht.

Was kannst du machen, wenn dir bereits sexuelle Gewalt angetan wird?


Es kann sein, dass der Täter eine dir nahe stehende Person ist, die du magst. Es kann sein, dass du in irgendeiner Weise abhängig bist vom Täter. Es kann sein, dass der Täter dir sagt: "Komm, stell dich nicht so an, ich weiss ja, dass es dir gefällt." Das ist sehr unfair, denn nur du weißt, was dir gefällt. Du hast das Recht, zu deinen Gefühlen zu stehen, dir unangenehme Berührungen abzulehnen und zu sagen, dass dir etwas nicht gefällt.

Du bist nicht schuld. Vielleicht versucht der Täter, dir die Schuld in die Schuhe zu schieben und sagt: "Du hast es ja gewollt und mich provoziert." Du bist nie schuld daran, wenn dir jemand sexuelle Gewalt antut - ebensowenig wie jemand schuld daran ist, wenn er ausgeraubt wird. Die Verantwortung liegt immer beim Täter.

Genau so wie Kindsmisshandlung ist auch sexuelle Gewalt verboten. Der Täter kann dafür bestraft werden, und er weiss das auch. Deshalb bedroht er dich vielleicht, damit du niemandem etwas sagst. Trotzdem musst du aber so bald als möglich Hilfe suchen. Am besten sprichst du mit jemanden, dem du vertrauen kannst oder wendest dich an eine Beratungsstelle (pro juventute Telefonhilfe 147, Nottelefone, Jugendberatungsstellen). Du kannst dich darauf verlassen, dass niemand etwas gegen deinen Willen tut. Aber: Hilfe ist möglich. Du kannst dich aus deiner Situation befreien.