Die Erfassung vom Mobbing


Da die Mobbingsituationen oft im Versteckten geschehen, ist eine umfassende Erfassung sehr schwierig. Zudem muss den betroffenen Kindern klar gemacht werden, dass es sich bei dieser Art von „Petzen“ nicht um petzen sondern um „Hilfe holen“ handelt.
Eine einfache, schnelle und zudem kostengünstige Möglichkeit bieten Frageboegen, welche von allen Beteiligten (oder auch Aussenstehenden) wahrheitsgetreu ausgefüllt werden. Dabei sind Anonymität und Vertraulichkeit zentral, da es sich bei Mobbing um ein Phänomen handelt, über welches nicht gerne mit anderen gesprochen wird. Bei einem von Olweus (z. B. 1991) entwickelten Fragebogen, wird den Schülerinnen und Schülern zuerst eine Definition von Mobbing gegeben und sie werden befragt, ob sie ein solches Phänomen in einem gewissen Zeitraum erlebt haben und falls ja, wie oft dies geschehen ist. Erst nach dieser grundsätzlichen Frage werden weitere differenziertere Fragen zum Geschehen gestellt.
Wenn man befürchtet, dass die Berichte von jüngeren Kindern (Kindergarten) zur Situation nicht ganz zuverlässig sind, besteht die Möglichkeit von Beobachtungen. Diese sind zwar sehr objektiv, jedoch äusserst schwierig durchzuführen, weil die Kinder die Beobachtung schnell bemerken können und sich dementsprechend verhalten. Versteckte „Attacken“ sind ebenfalls nicht zu beobachten. Wenn die Beobachtung als Erfassungs-Methode angewandt wird, muss den Kindern genügend Angewöhnungszeit geboten werden, so dass ihre Handlungsmuster wieder normal werden.
Eine zusätzliche Hilfe bieten gleichaltrige Beobachter, die den Situationen zwar beiwohnen, sich jedoch nicht daran beteiligen und deshalb neutral sind. Bei der Befragung von Kindern muss einiges beachtet werden: Interviews müssen so gestaltet sein, dass es den Kindern dabei nicht langweilig wird und ihre Konzentrationsfähigkeit nicht überfordert wird. Ebenfalls zu bedenken ist die Befangenheit der Kinder, sie neigen dazu Dinge zu verallgemeinern. Deshalb ist bei der Interpretation von Kinderantworten Vorsicht geboten. Junge Kinder sind zudem sehr beeinflussbar. Fragen dürfen nicht suggestiv gestellt werden, da die Kinder sonst zu unrichtigen Aussagen verleitet werden.
Natürlich besteht für die Erfassung von Mobbing auch die Möglichkeit, Lehrpersonen oder Kindergaertner/-innen in einem relativ offenen oder halb-strukturierten Interview zur Situation in der Klasse zu befragen.
Auch die Eltern der Kinder können befragt werden. Es muss einfach stets bedacht werden, dass die Kinder zu Hause möglicherweise nichts von den Vorfällen in Zusammenhang mit Mobbing erzählen, weil sie sich dafür schämen (Alsaker Françoise D., 2004, Quälgeister und ihre Opfer, S. 31).