Burnout galt lange Zeit als die typische Managerkrankheit. Doch mittlerweile
trifft der gefährliche Erschöpfungszustand Menschen jeden Alters und
Berufs.In der heutigen Arbeitswelt haben psychische Belastungsfaktoren die körperlichen
Belastungsfaktoren eingeholt oder sogar überholt. Der Begriff Burnout ist
in aller Munde und zu einem Modewort verkommen. Die Symptome werden deshalb
oft zu spät erkannt und behandelt.
Burnout ist eine Störung im Wechselspiel zwischen Arbeitsplatzbedingungen
und Persönlichkeit und entwickelt sich über einen längeren Zeitraum.
Burnout wird auch in Zusammenhang mit Stress gebracht.Demnach ist Burnout das
Resultat eines Prozesses, der sich aus Arbeitsbelastungen, Stress und psychologischer
Anpassung zusammensetzt. Burnout kann sich ausschliesslich auf das Berufsleben
konzentrieren, aber auch entstehen, wenn versucht wird, private und berufliche
Ziele zu verbinden. Davon betroffen sind vor allem berufstätige Frauen
mit Familie.
Laut seco belaufen sich die jährlichen Kosten für die medizinische
Versorgung, welche auf Burnout zurückzuführen sind auf rund 1.4 Milliarden
Franken, im Bereich Selbstmedikation werden 350 Millionen Franken ausgegeben,
durch Produktionsausfall gehen 2.4 Milliarden Franken verloren.
Die wichtigsten Ursachen
Burnout hat nicht eine einzige, sondern in der Regel verschiedene Ursachen.
Die wichtigsten sind:
• Hohe Belastung und Eintönigkeit bei kleiner Möglichkeit zur
Einflussnahme auf den Arbeitsprozess
• Geringe Anerkennung bei zugleich starker persönlicher Verausgabung
• Fehlende soziale Unterstützung durch Vorgesetzte sowie im persönlichen
Umfeld
Dabei spielen menschliche Faktoren am Arbeitsplatz die Hauptrolle:
• Arbeitsklima
• Verhältnis der Mitarbeiter untereinander
• Verhältnis zu den Vorgesetzten
• Positive Verstärker (Lob, Motivation)
• Erfolg
Woran kann man Burnout erkennen?
Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger beobachtete das
Burnout-Syndrom erstmals in den siebziger Jahren. Damals waren vor allem Personen
betroffen, die in so genannten Helferberufen arbeiteten.
Er beschreibt die Phasen des Burnout's als einen Burnout-Zyklus. Die Stadien
treten nicht immer genau in der gezeigten Reihenfolge auf, sie kennzeichnen
aber häufig vorkommende Schritte des Burnout-Syndroms. Häufiger Einstiegsfaktor
in den Burnout-Zyklus ist übertriebener Ehrgeiz.
Die Symptome von Burnout lassen sich im einzelnen folgendermassen klassifizieren
(Burisch, 1994):
1. Warnsymptome
der Anfangsphase
• Verstärkter Einsatz
• Erschöpfung (chronische Müdigkeit, Energiemangel)
2. Reduziertes Engagement
• Für die Arbeit (Pünktlichkeit, Termine einhalten, "innere
Kündigung")
• Für andere (soziale Kontakte, Partnerschaft)
3. Emotionale Reaktionen
• Aggression (Ungeduld, Launenhaftigkeit)
• Depression (Schuldgefühle, Selbstmitleid)
4. Abbau
• Geistige Leistungsfähigkeit
• Motivation
• Kreativität
5. Rückzug
• Gleichgültigkeit (emotionale Ebene)
• Einsamkeit (soziale Ebene)
• Desinteresse (geistige Ebene)
6. Psychosomatische Reaktionen
• Schlafstörungen, sexuelle Probleme, Krankheitsanfälligkeit,
Suchtverhalten, Muskelverspannungen
7. Erschöpfung
• Hoffnungslosigkeit, Selbstmordgedanken, existentielle Verzweiflung
Folgen:
• Freizeitbeschäftigungen werden vernachlässigt
• Alkohol-und Zigarettenkonsum nimmt zu
• Beruhigungsmittelkonsum steigt
• Gestörtes Essverhalten
• Ehe-und Familienprobleme
• Häufiger Arbeitsplatzwechsel
Strategien zur Prävention
Es lassen sich grob Strategien unterscheiden, welche sich auf die Organisation
und Institution beziehen und solche, welche der Einzelne anwenden kann, um Burnout
rechtzeitig zu erkennen und um geeignete Bewältigungsstile zu entwickeln.
Organisations-und Institutionsbezogene Strategien
• Aufgabenvielfalt
• Freiräume zur individuellen Gestaltung schaffen
• Ausreichende personelle Besetzung
• Optimale Abstimmung der Leistungsbereiche (klar definierte Arbeitsaufgaben
und Rollen)
• Flexible Arbeitszeit
• Laufbahnentwicklung
• Aus-/Weiterbildung
• Supervisionen, Balint-Gruppen
Personenbezogene Strategien
• Gleichgewicht zwischen Arbeit und Entspannung
• Umsichtige Planung, Zeitdruck abbauen
• Ansprüche an sich und andere überdenken
• Situationen vermeiden, die einem nicht gut tun
• Lernen "Nein" zu sagen
• Zeit nehmen für andere Aktivitäten
• Entspannungsmethoden (Yoga, autogenes Training); Auf Regelmässigkeit
achten!
Ob Stressoren krank machen hängt ab von:
• Intensität, Dauer
• Individueller Bewertung
• Bewältigungsfertigkeiten